Aus dem «Lernort» wird ein «Lebensort»
Die Form folgt der Funktion: An diesem anerkannten
Gestaltungsgrundsatz orientiert sich auch die Architektur
der Freien Schule Anne-Sophie. Dies schließt neben
der reinen Funktionalität auch ästhetische Aspekte
mit ein. Denn die angemessen gestaltete Umgebung
ist ein zentraler Pfeiler des reformpädagogischen Lernkonzepts
an der Freien Schule Anne-Sophie. Sie soll das
autonome Lernen begünstigen und gleichzeitig den
«Lernort Schule» zu einem «Lebensort Schule» erweitern.
Das Stuttgarter Architekturbüro Müller/ Djordjevic- Müller erfüllte die pädagogischen Vorgaben mit einem sehr eigenständigen Entwurf. Anstelle eines einzelnen großen Schulgebäudes gruppierten die Architekten mehrere überschaubare Lernhäuser für die Primarstufe, die Sekundarstufe und das gymnasiale College um einen Zentralbau mit Mensa, Aula, Bibliothek und Verwaltungsräumen. Vervollständigt wird dieses Ensemble durch eine Turnhalle mit angegliederter Schwimmhalle. Die gesamte Schulanlage hat damit den Charakter eines «Lerndorfes». Sie fügt sich sehr harmonisch in die umgebende Wohnbebauung des Künzelsauer Stadtteils Taläcker ein, ohne diese jedoch zu dominieren.
Die einzelnen Gebäude sind so angeordnet, dass sie aus
jedem Raum den freien, unverstellten Blick in die Umgebung
erlauben. Das Umfeld wird damit zu einem festen Bestandteil der Wahrnehmung jedes Lernpartners
und jedes Lernbegleiters. Nicht eremitische Abgeschiedenheit,
sondern Aufgeschlossenheit für die Umwelt
soll das Bewusstsein aller Akteure prägen. Dank der
durchdachten Gebäudeanordnung sind alle Einrichtungen
der Freien Schule Anne-Sophie auf kurzen Wegen
und barrierefrei erreichbar.
Lebens- und Lernmittelpunkt sind die Lernateliers der
Lernfamilien und Lernteams. Dies sind weder Klassenzimmer
im herkömmlichen Sinn, noch Spielzimmer. Die
flexiblen Raumzonen der Lernateliers bieten vielmehr
Raum zur freien Stillarbeit und vernetzten Unterricht in
Gruppen, aber auch zur Entspannung.
Teil eines jeden Lernhauses bleiben altersgerechte Funktionsräume, die von den Lernpartnern aller Lernfamilien gemeinsam genutzt werden. Dazu zählen Werkstätten, Musikräume, Kunsträume, Präsentationsanlagen, Theater und die Sprachbar, an der – je nach Anweisung – nur Englisch, Französisch oder Spanisch gesprochen wird. Besondere Sorgfalt wurde auf die innenarchitektonische Ausgestaltung verwandt. Die Innenarchitektin und Pädagogin Doris Fratton, die europaweit Institutionen auf dem Weg von der Schule zum Haus des Lernens begleitet, hat mit hoher Sorgfalt und ästhetischem Flair der Pädagogik der Freien Schule Anne-Sophie gestalterischen Ausdruck verliehen.
So sind die Lernateliers eher zurückhaltend strukturiert,was wiederum die Konzentration der Lernpartner beim autonomen Lernen unterstützt. Diese gestalterische Diskretion steht im Wechselspiel mit den Räumen der Kommunikation und deren gruppenbezogene Gliederung. Der Mobiliar- und Farbwechsel regt zum Austausch untereinander an. Demgegenüber dominieren in den Bereichen für die Regeneration weiche Formen, Farben und Materialien.
Das zentrale Treppenhaus und die Flure verbinden nicht nur die einzelnen Lernateliers, sondern dienen den Lernfamilien und Lernteams als gemeinsames Forum. Hier haben die Lernpartner einen Raum zum übergreifenden Austausch und zur Präsentation ihrer Arbeiten.
Die eingesetzten Materialien sprechen alle Sinne durch ihre Vielfalt an. Überall finden sich unterschiedlich verarbeitete Hölzer und Bodenbeläge, hochwertiges und ästhetisch ansprechendes Mobiliar und eine bis ins Detail durchdachte Licht- und Farbgestaltung. Alle Materialien entsprechen höchsten Umweltstandards. Daneben setzen die Gebäude auch bei ihrer Energieeffizienz neue Maßstäbe.