Lernen in altersgemischten Gruppen
So profitiert jeder von jedem!
Die Freie Schule Anne-Sophie steht Lernpartnern aller Altersstufen offen. In der Eingangsstufe können Kinder kontinuierlich vom Kindergarten in die Schule wechseln.

Über alle Altersstufen hinweg lernen und leben die Lernpartner in altersgemischten Gruppen. Zum Beispiel bilden Kinder des fünften Jahrgangs eine Gesamtgruppe mit Kindern des sechsten und siebten Jahrgangs. In der Primarstufe leben und arbeiten sie in einer Lernfamilie. In der Sekundarstufe bilden sie Lernteams. In der gymnasialen Oberstufe sind sie Mitglieder eines Lerncolleges.

Jedes Lernhaus bietet Raum für fünf Lernfamilien zu zwölf Lernpartnern (Primarstufe), sieben Lernteams mit je zwölf bis vierzehn Lernpartnern (Sekundarstufe) beziehungsweise vier Colleges mit 14 Lernpartnern und je einem Lernbegleiter (Gymnasium). Zudem hat jeder Lernende einen persönlichen Coach als Ansprechpartner, der ihm in allen Lern- und Lebensfragen zur Verfügung steht. In diesen Gruppen wird Lehren und Lernen zu einem gegenseitigen Prozess. Hier vollziehen sich auch Aktivitäten, wie soziales Lernen und das gemeinsame Mittagessen.

In diesen altersgemischten Gruppen kann jeder Lernpartner sein individuelles Lerntempo entfalten. Er kann beispielsweise einzelne Themen wiederholen und so sein Wissen gezielt festigen. Andererseits ist sichergestellt, dass er in Fächern, in denen er besonders große Lernfortschritte erzielt, jederzeit eine angemessene Förderung erfährt. Es gibt keinen jährlichen Versetzungsdruck wie bei herkömmlichen Jahrgangsklassen.

Autonomes Lernen erfordert ein hohes Maß an persönlicher Zuwendung. So betreut ein Lernbegleiter in der Primarstufe durchschnittlich zehn Lernpartner. Und die Erfolge sind, gemessen am überlieferten Unterricht, deutlich größer, weil die Lernpartner zu jeder Zeit ihre Stärken voll entfalten.

Die Betonung der individuellen Lernarbeit bedeutet nicht, dass man die Heranwachsenden sich selbst überlässt, sondern das genaue Gegenteil: sie erarbeiten sich das Wissen aktiv und bestimmen ihr eigenes Lerntempo. Sie orientieren sich dabei an klar vereinbarten Zielen, übernehmen also selbst Verantwortung hierfür. «Bildung», so hat es der Schweizer Philosoph Peter Bieri einmal formuliert, «ist etwas, das Menschen mit sich und für sich machen: Man bildet sich. Ausbilden können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst.»

Jede Lernfamilie und jedes Lernteam arbeitet in einem eigenen Lernatelier. Die Lernfamilien der Primarstufe, die Lernteams der Sekundarstufe und die Colleges des- Gymnasiums sind in separaten Lernhäusern beheimatet und bilden ihren eigenen Dorfteil.

Inhalte und Schwerpunkte
Lernen mit klaren Zielsetzungen

Obwohl die Freie Schule Anne-Sophie ein einzigartiges pädagogisches Konzept verfolgt, orientieren sich ihre Lernzielanforderungen selbstverständlich an den Lehrplänen des Landes Baden-Württemberg. Inhaltliche Schwerpunkte setzt die Schule in den Bereichen Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft.

Die Freie Schule Anne-Sophie bietet alle staatlich anerkannten Bildungsabschlüsse an:

Die Lernpartner legen Prüfungen entsprechend den Vorgaben des Landes Baden-Württemberg ab und erwerben so den Hauptschul-, Werkrealschul- oder Realschulabschluss.

Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, nach eigenem Zeitrhythmus das Abitur zu erwerben. Die Fächer und Kurse des Gymnasial-Colleges umfassen die in Baden-Württemberg verbindlichen Inhalte, ergänzt um die vertiefende Fortführung des Schwerpunkts Naturwissenschaft und Technik.

Die Orientierung an den staatlichen Lehrplänen stellt außerdem sicher, dass der Wechsel an eine staatliche Schule – etwa im Rahmen eines Umzuges – durch einen vergleichbaren altersgerechten Wissensstand gewährleistet ist.

Struktur ja bitte - Stundenplan nein Danke!
An der Freien Schule Anne-Sophie gibt es keine Stundenpläne im herkömmlichen Sinne. An ihre Stelle treten Lernziele und die individuelle Planung zur Zielerreichung, die für die Primarstufe, die Sekundarstufe und das gymnasiale College unterschiedlich ausgestaltet sind. Die thematische Gliederung dieser Pläne stellt sicher, dass alle Lernpartner einer Lernfamilie beziehungsweise eines Lernteams dasselbe Wissensgebiet bearbeiten, wenngleich mit unterschiedlichen – zum Teil selbst gewählten – Inhalten. Diese Gliederung gibt der individuellen Lernarbeit ein gewisses Maß an Verbindlichkeit. Im Gegensatz zu den Stundenplänen an anderen Schulen sind die Zeiträume jedoch deutlich länger, sodass die Lernpartner sich intensiv mit ihrem Lerngegenstand auseinandersetzen können.

Die Lernpartner arbeiten in einer sorgfältig gestalteten Lernumgebung mit entsprechenden Materialien, die ihnen ein selbstständiges Erarbeiten ihres Themas ermöglichen. Dazu nutzen sie beispielsweise auch professionelle Werkzeuge und Computer mit Internetanschluss, Lernsoftware und haptische Materialien.

Die dargestellte Wochengliederung für ein Lernteam der Sekundarstufe verdeutlicht dies beispielhaft. Neben den Schwerpunkten Natur, Technik und Sprache erwarten die Lernpartner mit dem Schwerpunkt «Wirtschaft» ab dem siebten Schuljahr ihr Wissen um elementare ökonomische Zusammenhänge. Daneben besteht die Möglichkeit, das fremdsprachliche Fundament der Primarstufe weiter zu vertiefen und auszubauen.

Für alle Fachgebiete gilt, dass diese umfassend erarbeitet werden. Die Lernpartner lernen nicht nur mit dem Kopf, sondern ebenso mit den Händen. So hat beispielsweise die Auseinandersetzung mit Handwerk und Technik breiten Raum.

Das pädagogische Konzept erlaubt zudem eine individuelle Förderung und Schwerpunktsetzung, welche es dem Lernenden gestattet, seinen Fokus z. B. auf die Kunst zu legen.

Besondere Beachtung verdient die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Das Ziel der Freien Schule Anne- Sophie ist es, neben der Lernbereitschaft der jungen Menschen auch ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit zu fördern.